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Die Frau fährt anders Motorrad


Ich habe meinen Motorrad-Führerschein im Jahre 1994 gemacht. Ich war damals die einzige Frau in einer Gruppe von Männern. Es war  auch ziemlich exotisch als Frau Motorrad zu fahren - eigentlich war Frau ja dazu geschaffen hinten drauf zu sitzen und schön auszusehen. So war ich nie und bin es bis heute nicht....

 

Ich war also in der Fahrschule am Karlsplatz in Wie mit einem hervorragenden Fahrlehrer, welcher nämlich kein einziges mal mit dem Auto hinter mir gefahren ist (so wie heute leider viel zu oft üblich) sondern im Winter (Prüfung hab ich im Februar gemacht) gemeinsam mit mir gefroren hat. Er hatte immer so einen grünen Daunen-Overall an und bekam somit den Spitznamen Hustinettenbär ;) an seinen Namen kann ich mich leider nicht mehr erinnern. Aber er hat mir Motorrad fahren beigebracht und das hervorragend.

 

Die ersten Jahre bin ich in Wien/Österreich mit meiner Virago 535 S unterwegs gewesen - ja viele Berge rauf und runter. Dann bin ich nach Hamburg gezogen und das Motorrad wurde verkauft. 11 Jahre später reichte es einmal kurz mitzufahren und schon hatte mich das Fieber wieder erwischt. Einen Tag später bin ich mit dem MST-Bramfeld eine 300 km Tour auf unserer KLE gefahren. Zack war ich wieder voll im Geschehen. Es ist wirklich wie Radfahren – aufsteigen und los.

 

Mein Mann Michael und ich gingen nun auf Suche - was für ein Motorrad wäre denn das richtige für uns. Die KLE war mir zu hoch, die Trude war mir zu schwer, die Bandit - mochte ich nicht... es dauerte und dauerte. Michael hatte dann eine K 1200 R von BMW und ich hab nach dem Probesitzen auf einer Gladius beschlossen – das ist mein Motorrad! Nur das Geld fehlte, also wurde es erstmal der Vorgänger eine SV 650.

 

Heute fährt Michael eine BMW RT 1200 und ich eine... genau GLADIUS in perlmutt weiß/pink (Frau und ihr Motorrad müssen ja zusammen passen... dazu gibts bald einen eigenen Artikel....)


Meine Suzuki SV 650

Die K 1200 R von Michael

Unsere Trude...

Auch ein Jahr Familienmitglied: GSR 750



Unsere Zeit als Motorrad-Paar hatte begonnen. Aber Frauen fahren anders Motorrad. Das ist einfach so und ich erkläre das gerne mit der KUH.

 

Mann und Frau fahren auf eine Kurve zu. Es ist eine tolle Rechtskurve, langezogen und einfach herrlich. Beide freuen sich. Leider ist die Kurve nicht einsehbar – da stehen Bäume und Sträucher – man sieht nicht das Ende.

 

Der Mann denkt nicht viel nach, gibt Gas und genießt jeden Zentimeter der Kurve ...

 

Die Frau gibt ersmal Gas – guckt dann (wenn vorhanden aufs Navi – da sieht man den Verlauf der Kurve) und denkt dann: Mist ich kann das Ende nicht sehen, was wenn da eine Kuh mitten in der Kurve steht? Immerhin sind wir am Land, rechts ist ein Bauernhof, da könnte eine Kuh ausgebüchst sein. Oder der Bauer war bei Frühshoppen und hat im Suff vergessen das Gatter zu schließen und da setht eine ganze Herde Kühe. Was für eine Sauerei das wäre, wenn ich da mitten rein donner. Mein Motorrad wäre schmutzig oder gar kaputt. Ganz zu schweigen von meinen Knochen. Es könnte aber auch nur ein Huhn in der Kurve stehen, wenn es schnell ist fliegt es weg. Was aber wenn der Bauer fleißig ist und den Mähdrescher raus geholt hat.... Ehrlich das ist mir zu unsicher ich bremse mal lieber.... Das alles denkt Frau in den 2 Sekunden auf dem Weg zu Kurve und bremst dann ab.

 

Das ärgert manchen Mann und was soll ich sagen meist sind alle Kühe im Stall, die Hühner am Hof und der Bauer genießt seinen Sonntag – die Kurve ist also frei und Frau hätte sie, wie Mann, in vollen Zügen genießen können - hat sie aber nicht und der Mann vorne weg denkt sich - Wo bleibt die Alte schon wieder... und so kommt es gerne zu Schwierigkeiten zwischen Mann & Frau - wegen einer Kuh die gar nicht da ist ;)

 

Aber genau deßwegen habe ich mich entschlossen die Kurvenbienen zu gründen, damit Frauen mit Frauen fahren können und jede ihre persönliche, imaginäre Kuh mitnehmen darf, und keiner ist ihr böse oder drängt sie schneller zu fahen als ihre Kuh das erlauben würde. 2010 hab ich im Radio den Saisonauftakt von RSH gehört - nur männliche Motorradfahrer. Ich hab eine Mail hingeschrieben und war eine halbe Stunde später auf Sendung – damals noch mit Carsten Köte. Während des Gesprächs hab ich sponatn dazu aufgerufen, dass sich interessierte Frauen bei mir melden könnten. Das schlug ein wie ein Blitz und schon bei unserem 1. Treffen waren wir zu sechst. Beim 2. Treffen 10 Frauen und so ging es weiter. Die Kurvenbienen bestehen jetzt seit bald 8 Jahren. Es kommen viele und es gehen auch wieder welche. Frauen sind halt anders aber es macht auch ungeheuren Spaß. Wir haben so viele lustige und schöne Momente. Wir helfen uns bei Alltäglichem genauso wie Aussergewöhnlichem. Wir sind für einander da auch wenn sich nicht alle lieb haben, halten wir zusammen und zeigen den Männern, dass uns Kuh wurscht ist – wir lieben unser Motorrad und wir fahren leidenschaftlich gene damit.

 

Nichts desto trotz fahre ich sehr gerne mit meinem Mann, mit unseren Freunden und auch den Bramfeldern. Sowie auch die Kurvenbienen gerne mit ihren Männern unterwegs sind. Unsere Männer freuen sich, und fragen auch oft nach, wann sie denn mal wieder mit uns fahren dürfen. Aber die Bienen unterwegs sind halt schon was Besonderes........

 

So das war mein 2. Artikel – in meinem Blog – ich hoffe ich finde die Zeit öfter zu schreiben, aber ich hab viel um die Ohren – 25 Frauen zum Beispiel ;)


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